New Western Gins

Wir haben hier im Casual Friday ja schon ein paar Kandidaten gehabt, die nicht unbedingt den Wacholder im Vordergrund hatten. Beim Niemand Gin sind Rosmarin und Sandelholz eher die Geschmacksanführer. Sloe Gins sind eine eigene Kategorie, nämlich Likör, und zählen nicht dazu.

Nun ist aber trotz dieser Vorgabe der EU, die auch nicht wirklich leicht durchzusetzen ist mit einer 51% Geschmacksstärke, denn was bedeutet das denn? Wie schmecken 49%, wie 51%? Jeder Mensch schmeckt Dinge anders, keine Tasting-Notiz ist gleich.

So konnte und hat sich die nicht offizielle Kategorie New Western Gins ausgebreitet. Hier steht der Wacholder nicht im Vordergrund sondern andere Stoffe bzw. Botanicals. Aber da es eben diese Kategorie offiziell nicht gibt, kann es auch nicht auf der Flasche stehen. Wahrscheinlich würde auch niemand solch eine Angabe machen, würde sie doch die Gefahr bieten, dass es von offizieller Seite heisst: „Ah, New Western? Gut, aber dann eben nicht mehr Gin!“ Zack, Ende der Mitgliedschaft im Club der hohen Margen gegenüber anderen Spirituosen. Das will keiner.

O’live Gin oder O’live eau de vie?

Vor ein paar Tagen schrieb mir @ginurway eine Nachricht zu meinem Review des O’live Gin. Er war erstaunt, dass ich den ‚Gin‘ so gut finde. Wie das sein könne, denn es sei ja eigentlich keine wirkliche Ginsorte, nicht einmal ein New Western Style Gin.

Wow, jemand, der extrem detaillierte Reviews schreibt und für eine der Medaillen verantwortlich ist, die auf manchen Gin-Flaschen zu sehen ist, wirft mir diesen Satz hin. Super, da kann man drüber sprechen!

Nun kommt diese Meinung nicht ganz unerwartet. Ich selber hatte nicht gerade den besten Start mit diesem Produkt. Wissen um Zutaten ist eine Sache, ein Produkt dann zu schmecken ist eine andere. Für mich war es nicht einfach diesen Gin, und ich nenne ihn mal weiter so, auch weil hier Wacholder eine essentielle Zutat ist, zu fassen zu bekommen. Im Gin Tonic kann er einen erst einmal brutal umwerfen. Nicht vom Alkoholgehalt, nein weil der Geschmack der Oliven so unglaublich extrem ist. Das ist alles andere als die zu erwartende Geschmackswelt.

Der erste Gin, kann der letzte sein

So lautet denn sein Hinweis auch, dass jemand hier nicht bekommt, was draufsteht, ein Wacholder-basierendes und eben dominiertes Destillat im weitesten Sinne. Und was soll ich sagen: Ja, stimmt. Ja, da kann man in der Tat ziemlich vom Gin abkommen wenn es der erste Gin ist und man denkt alle Gins sind so.

Ist nun die Gefahr, dass hier Gin im Namen ist so groß, dass man keinen Gin trinken mag, da einem dieser nicht mundet? Maybe, aber eher unwahrscheinlich. Ich kann mir nicht zu viele Situationen vorstellen, die den O’live Gin für jemanden zum ersten Gin machen. Viel zu abwegig, er ist schlicht nicht verbreitet genug. Da sind Gordon’s, Bombay, Hendrick’s oder auch Monkey viel wahrscheinlicher die ersten Kontakte. Und in den meisten Fällen geht die Reise von dort los.

Bleibt die Frage, ob es sich um ein 49%- oder 51%-Produkt handelt. Inhaltstoffe, wohl 51%, geschmacklich vielleicht auch, je nach Tonic mehr oder weniger. Alleine gekostet ist die Olive schon verdammt stark. You decide.

O'live Gin Martini
Statt Oliven als Deko ein vollkommen unpassender Eisblock.
Dafür aber vollkommen en vogue mit #cubesincoupes

Dirty Martini für Mixology-Faultiere?

Der O’live Gin ist also mit seinem Olivengeschmack ein Sonderfall. Da führt kein weg drumherum. Und wenn man einen Dirty Martini, und natürlich reden wir über einen Gin-basierten, nicht die lahme Nummer mit Vodka, mag, dann ist dieser Gin vielleicht die Art diesen mal anders zu machen, ohne den Olivensud, eventuell nur mit den Oliven als Garnish.

Was denn nun?

Ich verstehe die Einwände sehr gut, die von @ginurway kommen. Ob es am Ende ein Gin ist, in meinen Augen schon eher, oder eher ein eau de vie, also ein Brand auf Basis von geernteten Zutaten, hier vor allen den Oliven und Wacholder (plus den nicht bekannten Zutaten)? Lassen wir es stehen und vielleicht auch als kleiner Anreiz mal etwas anderes zu probieren. Gewarnt ist ja nun ausreichend.

Das Thema ob Gin wirklich noch nach Wacholder schmecken muss ist ohnehin ein Thema, dass wir hier noch besprechen werden, aber das hebe ich mir für ein anderes mal auf. Die Diskussion könnte heisser werden als man denkt.

Bis dahin aber erst einmal Cheers, Ginsalabim und einen Casual Friday,

Jan von GinGinGin

Jan Persiel
Jan Persiel

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