In Kooperation mit der Hamburger Fern-Hochschule (HFH) haben Ribbon und CBC ein erstes Symposium zum Thema Homeoffice organisiert. Ziel war es, das Thema einmal ganzheitlich zu betrachten:

In der 2-stündigen Veranstaltung, die von Sandrine Boutez (CBC) moderiert wurde, haben wir mit Hilfe einer illustren Runde uns dem Thema sowohl politisch als auch aus Arbeitnehmersicht und den ersten umfangreichen praktischen Erfahrungen genähert.

Wir können die ausgebuchte Veranstaltung hier nicht in aller Gänze wiedergeben, aber ein paar Highlights sind erwähnenswert.

Politik:

  • Der in den Medien bereits intensiv diskutierte Gesetzentwurf wird nach Meinung von Herrn Dan Esra Gloe, Referent Arbeitsmarktpolitik bei der DAA, nicht mehr in dieser Legislaturperiode kommen. Hintergrund ist, dass sich die regierende Koalition nicht einig ist und ein solches Gesetz nicht im Koalitionsvertrag vorgesehen war.

Arbeitnehmervertretung:

  • Der Landesvorsitzende der ver.di Hamburg Herr Berthold Bose (Pressemitteilung) verdeutlichte, dass es aus Gewerkschaftssicht wichtig ist, sich für die Themen Arbeitsplatzsicherheit, Arbeitszeiten, aber auch Gerechtigkeit für die ArbeitnehmerInnen, die keine Möglichkeit des Homeoffice haben, einzusetzen.

Rechtlicher Status Quo:

  • Herr Jörg Luft, Rechtsanwalt in der Kanzlei EPP in Baden-Baden, beschrieb die aktuelle Situation, die erstmal grundsätzlich unterscheidet zwischen dauerhaften Homeoffice.Arbeitsplätzen und einzelnen Homeoffice-Tagen. Klar wurde, wir leben ganz sicher nicht in einem ungeklärten Raum, vieles ist seit Jahren in vielen Bereichen gelebte Praxis. Die Dynamik durch Corona war für viele Firmen Neuland, nicht aber für den Gesetzgeber (Juraforum).

Aus der Praxis

  • Über Transgourmet, ein Unternehmen, das von Corona gezwungen wurde, schnell und ganzheitlich zu handeln, wurde von Antje Sawitzki, verantwortlich für den Kundenservice, berichtet. Frau Sawitzki schilderte, wie in Zusammenarbeit mit den Betriebsräten die Mitarbeiterauswahl erfolgte, welche technischen und operativen Herausforderungen es zu bestehen galt und gilt. Es wurde aber auch von ihr sehr deutlich gemacht, dass nicht alle Mitarbeiter gerne im Homeoffice tätig sind. Beobachtet wurden sowohl erhebliche Leistungssteigerungen wie auch erkennbare Leistungsabfälle.
  • Als letzter Referent an diesem Nachmittag schilderte Herr Benjamin Barnack, Prokurist bei der Gevekom, wie ein in vielen Branchen tätiger Dienstleister die Zeit erlebt. Die technischen Restriktionen durch mangelhafte Versorgung zu Hause mit schnellem Internet gehört da genauso dazu, dass bei Kunden, die gestern noch sehr kritisch dem Thema Heimarbeit gegenüberstanden, nun dies zu einem festen Bestandteil ihrer Strategie zur Aufrechterhaltung des Betriebs gehört. Dies, mit einer deutlichen Verschiebung im Auftragsvolumen hin zu E-Commerce-Anbietern, machte deutlich, unter welchem Stress viele Unternehmen in diesem Jahr standen.

Diskussion:

Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie ungemein vielschichtig das Thema ist. Die Themen reichten von Leistungsmessung, über Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zu rechtlichen Nachfragen.

Deutlich wurde auch, dass es keine klassischen Fronten zwischen Gewerkschaften oder Arbeitgebern gibt, sondern, dass das Thema in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu wichtig ist, um es mit einem erst später kommenden Gesetz zu verkomplizieren. Wichtig ist es, hier einen guten Ausgleich der sehr unterschiedlichen Interessenlagen zu bekommen.