OMG! Man soll ja nicht zu schnell urteilen, aber wir haben einen Punkt erreicht, an dem es sein kann, dass das Ende der Welt schon da ist sollte man überlegen, ob es wert ist darüber zu schreiben …

Kooperationen wie …

… ja wie was eigentlich? Wer denkt sich das eigentlich aus? Genau wie mir ging es ca. 30 Leuten, die den Instagram-Post sahen, den Siegfried Gin am 30. September mittags absetzten:

Zum Instagram-Post

Feuchtigkeitskur, okay. Mit Siegfried Label? Hä, was hat denn jetzt Gin damit zu tun? Genauer geschaut … „Gin infused“. Wow.

Zugegeben, ich habe schon viel gesehen, was mit Gin gekoppelt wird. Warum auch nicht? Eine Spirituose, die als Genre generell vollkommen überteuert ist im Vergleich zu allen anderen Spirituosen, und in der es für so viele nur um eins geht: Die Qualität! Quatsch. Das Geschmackserlebnis?! Nope. Die guten Zutaten? Als ob. … mmmh, etwa den vermeintlich schnellen Euro? Ja, na endlich. Genau. Leider.

Und jetzt haben wir also endlich Kurampullen, die einem Revitalisierung und Energie versprechen, eben mit einer Gin-Infusion? Na, Halleluja!

Ratlosigkeit, Sinn und Verstand

Dieser Post und das Produkt passen gerade sehr gut: Noch heute früh war ich kurz mit meinem Kumpel @ginfluencers im Austausch über die immer abgedrehteren Dinge, die Leute auf dem Ginmarkt tun. Auch in den sozialen Netzwerken, in diesem Fall Instagram, ist man sich keiner Sache mehr zu schade, um auf die richtige Aufmerksamkeit zu kommen.

Lustig ist es wenn man riesige Eiswürfel in Coupe-Gläser-Packt und das zum kleinen viralen Cocktailtrend wird. Trinken kann man diese nicht mehr, aber toll aussehen tun sie. „Instagrammable“ auf Neudeutsch.

Auch eine Flaschenumverpackung als gigantisches Cocktailglas zu missbrauchen, um einen 1-Liter-Serve hinzuzaubern? Lustig, weil man das auch nicht wirklich machen würde und schon gar nicht heben kann. Der besagte Steinkrug alleine wiegt schon 2.5 kg. Mit Eis und Flüssigkeit bestimmt nochmal 1 kg extra.

Aber als ich gestern eine Vase mit Illusionist Gin, der blau ist und mit Tonic seine Farbe in Rosa ändert sah, nur, weil es geil aussah, darin dann Lavendel steckte war meine ernsthafte Überlegung, ob ich mal eine Serie an nur weissen Bildern machen sollte. ohne irgendwas. Nur weiss, nix drumherum. Als Gegenpol gegen den ganzen Schwachsinn da draussen. „Runter von meinem Rasen Kinder!“ fehlt jetzt nur noch auf meiner Tonspur.

Das klingt alles lustig, ist es mitunter auch, aber ich frage mich ernsthaft wo bei dem Wahnsinn noch der Sinn ist. Oder ist es nur noch Wahn?

Gesundheit und Trink-Alkohol

Als ich vor knapp vier Jahren begann mich mit dem Gedanken eine Dokumentation meiner Ginreise zu erstellen auseinandersetzte, war eine Sache mein Riesenthema: Wie gehe ich verantwortungsvoll mit dem Thema Alkohol um. Jeder Post ist irgendwie eine Sache, die Alkohol promotet. Ist das gut? Ist das schlecht? Wie muss ich das ganze angehen?

Meine Sorge ist es auch heute noch mit meiner Arbeit zum einen den Konsum von zu viel Alkohol zu befeuern und im Zweifel auch selber nicht immun zu sein. Niemand ist das. Es gibt Arzneimittel, die in Alkohol gelöst sind. Diverse Tropfen z.B. Aber ein Gesundheitspräparat wie das oben erscheint mir sehr skurril mit einem Gin gekoppelt zu sein. Nur weil da ähnliche Inhaltsstoffe drin sind? Also ich glaube wenn man bei Ribbon jemanden zum Thema Kooperation fragt, kommen da nicht solche Kombinationen raus. Hoffe ich zumindest.

Wahrscheinlich bin ich nur der Grumpy Old Man, der nur mal wieder nicht rafft, was es hier zu raffen gibt. Aber in meinen Augen ist das ehrlich gesagt ein Zeichen für den absolut verzweifelten Versuch noch mehr Umsatz zu machen, noch mehr aus der Reihe zu fallen, noch mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Seine Möglichkeiten auszupressen wie eine Zitrone. Schade, denn ich dachte immer, dass man das mit Qualität schaffte. Also irgendwie scheint es da ja Probleme zu geben in der Branche, im Markt, generell. Oder ist da am Ende gar nicht immer Qualität im Spiel?

Hilfe in Sicht? Wo bleibt die Ginflut?

Wie ich neulich lernen durfte ist der Ginmarkt in Deutschland noch extrem im Wachstum befindlich. Auch wenn einige schon rufen: „Und was kommt jetzt?“ handelt es sich doch hier primär um die Metropolenbewohner. Ein kurzer Trip vor die Stadtmauern zeigt ganz schnell, dass die „Bars“ noch lange nicht auch nur einen Gin weiter sind als noch vor 5 Jahren. Der Trend zum Zweit- und Drittgin geht gerade erst los. Man schneidet dort noch froh und frohlockend ganz gemäß dem neuen Trend Gurke in alles, was nicht schnell genug mit schützender Hand abgedeckt wird, hinein.

So fürchte ich haben wir noch lange nicht alles gesehen. Wir haben noch nicht einmal den Eisberg entdeckt, der da auf uns zutreibt. Und ich gebe zu: Ich habe Angst. Angst vor einem Schwall an sinnlosen und schlechten Produkten. Dingen, die kein Mensch haben muss, oder die man lieber stehen lassen sollte.

Aber ich habe auch Hoffnung. Ich habe Vertrauen. Und zwar in die Verbraucher. Diese sind oft nicht so dumm wie ihr Ruf. Und so hoffe ich, dass es der Markt ist, der Produkte, die kein Mensch braucht, hervorbringt, diese auch wieder wegfegt. So wie die Wellen des Meeres Leben bringen und ermöglichen, dieses aber auch mit einer schweren Flut nehmen können. So hoffe ich also, dass die so oft als „lustiger Spruch“ zitierte (Nach mir die) Ginflut auch wieder vorbeizieht und wir uns auf die guten Aspekte konzentrieren können.

Übrigens ist es spannend zu sehen, dass das, was wir jetzt beobachten können das ist, was meine Ginfreunde aus Belgien seit Ende 2017 berichten: Einen absoluten Ausverkauf und eine immer schneller drehende Spirale. Wohin das geführt hat kann man ja mal als Frage an die verbliebenen Gin-Produzenten in Belgien stellen. Aber: Vorher Helm auf!

So, auf den Schreck brauche ich einen Drink. Nee, ich gehe liebe eine Runde um den Block. Das bringt mich auf andere Gedanken.

Erschütterte Grüße, cheers und Ginsalabim,

Jan von GinGinGin.de

Jan Persiel
Jan Persiel

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