Carpe Diem – Weihnachten

Das Netz ist voll von Seminar- und anderen Fortbildungsangeboten. Mitarbeiter wünschen sich gute praxisnahe Fortbildungen, die einem auch persönlich etwas bringen. Ein Milliardenmarkt! Nur wenn man wirklich etwas lernen kann, dann tun wir es nicht. Dabei bietet sich doch Weihnachten als eine 3- bis 5tägige Fortbildung mit allem drum und dran herrlich an. Gruppenmitglieder die wir kennen, realistische Live-Situationen, Gruppendynamik und Feed Back an jeder Ecke. In der Regel gutes Essen und meistens auch kein Alkoholverbot tagsüber. Das Ganze verbunden mit einem Hauch Esoterik, sprich Religion. Perfekte Umgebung, um richtig etwas zu lernen. Hier ein Seminarbericht von unserem Kollegen Nick Umbach:  

Wir sagen viel zu oft, dass wir enttäuscht sind. Enttäuscht vom Freund, der Freundin, von Kollegen, vom Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Endtäuscht von der Politik, vom Service eines Dienstleisters, vom gebuchten Urlaub, dem teurem Hotel, dem doch so sehr empfohlenen Restaurant oder von der Qualität eines Produktes, das wir mit mehr oder weniger Geld gekauft haben. 

Aber können die Menschen und diese Dinge wirklich enttäuschen? Ich sage NEIN, das können sie nicht! Also warum empfinden wir denn nun so? Die Antwort ist so einfach, dass die meisten gar nicht darauf kommen, die Enttäuschung ist ganz allein in uns, wir sind es, die uns selbst enttäuschen. Wenn wir also enttäuscht werden, dann doch eher von uns selbst, von unseren eigenen Erwartungen. Woher soll der Koch wissen, wie Du Dein Gulasch magst? Unsere Erwartungen sind nur die Summe unserer eigenen Erfahrungen! 

Ich möchte Ihnen hier meine kleine Seminar äh Weihnachtsgeschichte erzählen, die mir selbst so passiert ist und die Ihnen das vielleicht besser verdeutlichen kann, was ich damit meine, wenn ich sage: Nur wir selbst können uns enttäuschen, nicht die anderen. 

Es ist ein paar Jahre her, als ich meine Familie zu Weihnachten einlud und ihnen ein festliches Mahl bescheren wollte. Der Rotkohl wurde von Hand gerieben und ganze 24 Stunden lang von mir zubereitet, der Braten, eigens von einem Biohof in Schleswig-Holstein besorgt und schon einen Tag vorher vorbereitet, damit er sein volles Aroma ausbreiten konnte, die Kroketten von Hand geformt und in der Soße war nichts, das man hätte Fertigzutat nennen können. Ich hatte wirklich alles selbst gemacht und nur die allerbesten Zutaten gekauft. Ich verbrachte also 2 volle Tage in der Küche, um ein Festmahl zu kreieren, das meine Gäste so noch nicht erlebt haben sollten… 

Meine Erwartungen an die ganzen Komplimente, an diOoohh´s und Aaahh´s wurden von Stunde zu Stunde größer und ich malte mir aus, wie alle am Tisch saßen und mich nacheinander der Reihe um, in den Himmel loben werden. 

Die Realität holte mich schneller ein, als ein Porsche GT 3 mich auf meinem Drahtesel es hätte jemals tun können. Der große Moment war also gekommen und die gesamte Mischpoke versammelte sich nach und nach im Esszimmer. Eltern, Schwiegereltern, Brüder, Schwager und Schwägerin, Neffen usw. …insgesamt sollten es 14 Personen werden, die im Wetteifer um die spektakulärsten Superlative ringen sollten, um mich und mein „Meister“-Werk entsprechend zu huldigen. 

Das von mir geplante gemütliche Essen hat dann immerhin ganze 43 Minuten andauern sollen. Bei jeder Gabel schaute ich erwartungsvoll in die Gesichter und mit jeder Minute, die verstrich, ohne dass auch nur einer dieser undankbaren Kretins ein von mir erwartetes Wort von sich gab, wurde meine Laune übler und meine Stimmung so düster, dass ich dringend mehr Wein brauchte, damit meine Lampen schnell angehen.  

Der Höhepunkt, der von mir empfundenen Frechheit war dann, als sich einige aus dieser, meiner Sippschaft darüber unterhielten, wie man Rotkohl aus dem Glas so richtig lecker zubereiten könnte, oder dass die TK-Kroketten von McCain doch sooo lecker sein…. (noch ein Glas Rotwein….) 

Ich wartete oder vielmehrich er – wartete endlich meine verdiente Huldigung, meinen Applaus, meinen Moment der verdienten und überfälligen Anerkennung für dieses, ja beinahe überirdisches Mahl  Nichts! Wirklich gar nichts…. (viel mehr Rotwein ….)! 

Ich überlegte dann so zwischen dem 4. und 5. Glas Rotwein, so genau vermag ich die Zahl der getrunkenen Gläser nicht mehr zu beziffern, wie ich meine bucklige Verwandtschaft umgehend loswerden kann – also  auf legale Art und Weise, aber sie blieben  lange, sie lachten laut, sie redeten viel und tranken, mäßiger als ichSie hatten fürchterlich viel Spaß und Freude … natürlich auch mit meinen Rotwein! 

Am nächsten Tag verflog die Wut und meine Emotionen waren wieder auf einem für mich ziemlich normalen Level angekommen. Während ich also weitere Stunden in der Küche damit verbrachte, die Spuren dieser vermeintlichen Enttäuschung loszuwerden, wurde mir eines sehr klar! Meine Familie hatte mich gar nicht enttäuscht, sie konnten mich gar nicht enttäuschen, da sie meine Erwartungen an sie ja auch nicht kannten und mir schon gar nicht versprochen hatten, diese auch genau – und ich meine exakt haargenau so – zu erfüllen. Sie alle kamen zu mir, um zu essen, um zusammen zu sitzen, um zu erzählen und um die Bescherung gemeinsam mit der Familie zu erleben. Keiner von denen war enttäuscht, denn alles was jeder von ihnen wohl erwartet hatte, wurde auch so erfüllt. Selbst die Kinder bekamen brav genau das, was sie ganz oben auf ihrer Wunschliste bestellt hatten. Ich erinnere mich, dass sie alle beim Gehen noch viele dankbare Worte sagten und betonten, wie schön sie den Abend erlebt haben und dass es toll gewesen sei, dass die Familie so zusammensitzt und alle gesund sind…  

Keiner von ihnen wusste von meinen persönlichen Erwartungen an sie, keiner wusste von meiner Zeit, die ich in der Küche verbracht hatte, keiner hat diesen Aufwand von mir erwartet  nur ich. Ich ganz allein!  

Soweit der erlebte Seminarbericht von Kollegen Umbach, mehr Praxis geht nicht. Wer es etwas weniger weihnachtlich braucht, bitte sehr:  

Wie überlebt man als Team stressige Zeiten?

Wir – das gesamte Ribbon Team – wünschen Ihnen eine wunderbare Fortbildung und natürlich  

FROHE WEIHNACHTEN 

Autor: Nick Umbach

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