Es war einmal vor langer Zeit. Da lebte eine Eisprinzessin in Ihrem Schloss und war jeden tag betrübt ob des Winterwetters. Und so geschah es, dass sich das Schloss, welches aus purem Eis war langsam auch trübte und stumpf und schmuddelig wirkte. Und wenn sie noch immer Trübsal bläst … Naja, so oder ähnlich könnte man sich ein Märchen vorstellen. Warum diese Geschichte? Weil Eis nicht einfach Eis ist, und weil man an Tagen wie diesen alleine schon durch das Lesen von Eis sein Empfinden verbessern kann in einem warmen Büro.

Das Auge trinkt mit: Schönes, klares Eis

Turicum Barrel Aged Gin aus Zürich

Ein guter Drink ist nicht nur eine Ansammlung von Flüssigkeiten in einem Glas. Wenn mir eine Sache im Laufe der vergangenen Jahre klar geworden ist im Rahmen meiner Instagram-Tätigkeiten, einem visuellen Medium wie kaum einem zweiten, so ist es die Tatsache, dass das Auge eben mit nicht zu vernachlässigen ist. Der selbe Drink, bei ähnlichem Text, ist in einem schönen Glas, mit klarem Eis schlagartig erfolgreicher, bringt mehr Interaktion, kurz, spricht Leute mehr an.

Der Eis-Supergau

Wir alle haben schon die Einladung zu Party, Grillen, Dinner gehabt wo kein Eis da war. Das Bier wurde 2 Stunden vor Beginn der Feier in der Badewanne gekühlt, der Rum-Cola-Mix bekam seine Frische durch Limetten, nicht Eiswürfel. Zugegeben, oft gab es noch die letzten acht traurigen Eiswürfel, die von der letzten Party übrig waren, eine Schneeschicht hatten, vielleicht nach Schnittlauch und italienischen Kräutern schmeckten. Kurz: vielleicht ein gutes Fest, aber definitiv ausbaufähig in Sachen Eis und Trinkkultur.

Gutes Eis für den guten Drink

Wenn man mal einen Blick auf die beiden Bilder oben wirft, so ist recht klar welches Eis man in seinem Drink haben möchte. Das klare Eis ist einfach der Gewinner. Und dabei geht es nicht nur um den Look.

Klares Eis vs. wolkiges oder crushed Eis

Warum ist Eis trüb, wolkig, oder eben klar? Ganz einfach: Luft und Kalk sind schuld. Kalk kann im Eis durchaus zu Eintrübungen führen. Da hilft ein Wasserfilter. Aber das Hauptproblem ist eher Luft. Die Eiskugeln beim Dormagin haben sehr viel eingeschlossene Luftbläschen, die es eintrüben. Das passiert, weil die Luftbläschen aus dem Wasser meistens im Eis eingefroren werden. Typisch bei einer Haushaltsform für Eiswürfel. Klares Eis hat keine oder nur sehr geringe dieser Einschlüsse. Das sieht gut aus, ist aber auch noch von Vorteil für den Drink. Klares Eis hat eine höhere Dichte und eine viel kleinere Oberfläche vom Eis zum Drink. Ergo, es schmilzt langsamer. Jede Luftblase, die freitaut macht eine kleine Höhle im Eis auf, die die Oberfläche vergrößert. So schmilzt das Eis schneller und verwässert den Drink. Crushed Eis ist deshalb die Wahl wenn man einen Drink verdünnen will (Caipirinha etc.). Klares Eis kühlt also nicht so schnell runter, aber verwässert auch nicht so stark.

Drinks wie der Negroni z.B. werden deshalb erst einmal in Eis kaltgerührt und dann z.B. mit einem klaren Eiswürfel / -block serviert. Der hält die Temperatur, muss aber nicht mehr runterkühlen.

Woher bekomme ich gutes Eis?

Schnell noch Eis von der Tanke? Nicht so schlecht die Idee. Wenn die Beutel dort nicht schon ewig liegen und womöglich Gerüche angenommen haben. Meist ist das Eis dort klar und recht gut. Optimal sind oft Würfel, nicht die typischen Fingerhutformen, denn die haben wieder viel Oberfläche und verwässern wieder alles.

In manchen Supermärkten gibt es inzwischen Premiumeis, welches sehr klar, in größeren Würfeln (ca. 4 × 4 cm) geliefert wird und somit lange im Drink bleibt.

Eis selber machen

Aber selbst wenn man selber Eis machen mag gibt es verschiedene Wege. Generell gilt: je mehr Eis man nimmt, desto weniger taut es im Drink. Der einsame Eiswürfel im Weisswein ist schnell weg und der Wein noch warm und wässrig. Mit vielen Würfeln kühlt alles schneller runter und schmilzt weniger. Also viel Eis bereitstellen als Gastgeber!

Klares Eis kühlt langsamer, verwässert aber auch weniger.

Nun gibt es inzwischen schöne Silikonformen, die auch 5 × 5 cm Würfel oder Kugeln machen, diese sind schon einmal super, müssen aber auch in ausreichender Menge und rechtzeitig produziert werden. Kugeln sind natürlich besser als Würfel, weil die Oberfläche geringer ist. Wichtig: fertige Würfel in eine saubere Gefrierdose, damit das Eis keine Gerüche der anderen Tiefkühlspeisen annimmt.. Niemand mag Gin & Tonic mit Pangasiusaroma oder Frittenfett als Botanicals.

Option zwei ist es Eisblöcke zu machen. Einfach eine große Tupperform (oder Eispackung mit Wasser füllen und in den Freezer. Der Vorteil: Man kann endlich mal mit einem Eispickel arbeiten, den man sonst nur aus Filmen kennt.

Pro-Tipp: Wer sein Wasser in nur einer Richtung frieren lässt bekommt ganz klares Eis. Was bedeutet das? Stellt man eine Styroporbox mit Wasser in den Tiefkühler friert das Wasser von oben nach unten. Die Luft wird so vom Eis langsam runtergedrückt und nicht von allen Seiten eingeschlossen wie es der Fall in den normalen Formen ist. Ist das Wasser dann zu 60% von oben gefroren kann man die Box aus dem Freezer nehmen und hat einen klaren Eisblock und einen Rest kaltes Wasser. Perfekte Basis für Drinks, die bei jedem Gast ein „Oh!“ mit sich bringen. Zur Vorbereitung den Block in handliche Stücke sägen, spalten, etc. und in einer Box im Tiefkühler lagern.

Planung ist das halbe Genießen

Eines ist klar: Eis ist, ausser von der Tanke oder aus dem Supermarkt nicht so eben fertig wie ein Tee gekocht ist. Also gehört zur Planung eines guten Drinks oder Drinking-Erlebnisses auch die Planung der Kühlung. Ohne diese fehlt etwas. Bei der Planung beginnt nicht alles mit dem Essen, sondern mit dem Eis, den das hat eventuell mehr Vorlaufzeit. Dann kommt das Essen. Zumindest in der Produktionsreihenfolge.

Sehr nerdy hier heute? Ja, zugegeben ist es. 🤓 Aber wie es mit so vielen Dingen im Leben ist, können eben Teilaspekte das Gesamtbild extrem beeinflussen. Und wenn ich in den vergangenen Ausgaben besondere Spirituosen vorgestellt habe, so ist es mir genauso wichtig, dass diese auch in einer adäquaten Form genossen werden können. Und wenn man mit diesen kleinen Tipps noch bei den Freunden und Gästen mit dem richtigen Eis punktet ist alles erreicht.

Tooltipp für klares Eis

Damit das klare Eis einfach zu machen ist, denn nicht jeder will sich wilde Isolierboxen bauen und kaufen, kann ich hier noch den Tipp geben mal einen Blick auf Chill Pure oder Jewel Ice zu werfen. Klares Eis im kleinen Format hergestellt. Aber vorsichtig mit dem Kaufklickfinger: Erst den Freezer ausmessen (inkl. Eis an den Kühlrippen), denn mancher hat schon geflucht, dass die Boxen dann doch nicht passten.

In diesem Sinne auf klares Eis und tolle Drinks damit.

Cheers und Ginsalabim!

Jan von GinGinGin.de

Jan Persiel
Jan Persiel

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